Objekt des Monats


Sonnenenergie 

Die Welt der Ägypter war von Gott geschaffen, der sie erhielt und immer wieder erneuerte. Seit dem Neuen Reich galt der Lauf der Sonne als das mächtigste Schöpfungs- und Regenerationssymbol. Der verstorbene König wollte dasselbe wie der Sonnengott, nämlich Unsterblichkeit durch immerwährende Erneuerung der Lebensenergie erreichen. In der Barke des Sonnengottes durchquerte er die Unterwelt und trat dabei in den ewigen Kreislauf von Tag und Nacht bzw. Leben und Tod.

Auch der Privatmann holte sich die Sonne ins Grab als Trägerin erneuernder Kräfte. Besonders markant sind knappe symbolhafte Darstellungen des Sonnenlaufes. Diese sollten den gleichen Effekt haben wie die langen Unterweltsbücher in den Königsgräbern, die die Nachtfahrt der Sonne bzw. das Mysterium ihrer Erneuerung zum Thema haben. Es sind in der Regel zwei Armpaare, zwischen denen sich die Sonne unaufhörlich hin und her bewegt.

Das Stierkalb bzw. das Kalb hat in der Symbolwelt der alten Ägypter seinen festen Platz. Seit frühester Zeit wird es mit der täglich neugeborenen Sonne identifiziert. In diesem Sinne ist es zum Symbol von Jugendfrische und Vitalität geworden, ja zum Inbegriff von Lebensenergie. In Kombination mit der Lotusblüte ist auch direkt an die tägliche Geburt der Sonne als Kalb zu denken, die sich immerwährend wiederholt. 

Dr. André Wiese, Kurator, Leiter Ägpten

Bild: Vorratsgefäss mit bichromer Bemalung, Ton, H. 45 cm, 18. Dynastie,
Amenophis III./Echnaton, 14 Jh. v. Chr. Inv. BSAE 1119. Schenkung National Versicherung