September 2011: Einen über den Durst getrunken
Diese Weinschale gehört zu den Stücken aus unserer Dauersammlung, die wir in der kommenden Ausstellung „Sex, Drugs und Leierspiel“ (ab 20. Oktober 11) ins Zentrum der Betrachtung stellen. Wir sehen hier einen Mann mit geschlossenen Augen – wahrscheinlich ist er im Halbschlaf. Es ist kein Grieche, sondern „ein Barbar“. So nannten die Griechen die Nicht-Griechen. Das zeigen seine orientalische Tracht mit dem Hosenanzug und der Mütze und seine Waffen: Der Köcher und der zusammengeklappte Reflexbogen, die an der Wand hängen, waren typisch für östliche Reitervölker.
Das Trinkhorn, das vor dem Mann liegt, zeigt uns, warum er wohl schläft: Er hat einen über den Durst getrunken. Vielleicht hat er den Wein gar unverdünnt und damit viel zu stark zu sich genommen – während die Griechen den alkoholischen Traubensaft stets mit Wasser vermischten. Dass sich ein solches Bild im Innern einer Trinkschale befindet, ist kein Zufall. Es sollte die griechischen Partygäste wohl vor übermässigem Weinkonsum warnen.

